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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

 

Die Stumm-Orgel der protestantischen Kirche Haardt gehört zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der Kirche, und sie wird darüber hinaus zu den historisch bedeutsamen Instrumenten der Pfälzische Landeskirche gezählt. Trotz mancherlei Veränderungen erklingt sie seit über 200 Jahren bei Gottesdiensten und Konzerten.

Die Haardter Orgel wurde von den Gebrüdern Stumm im Jahr 1785 zum Preis von 1000 fl.  geliefert und innerhalb von 4 Wochen in die Kirche eingebaut. Die erste wirklich einschneidende  Veränderung erfuhr die Orgel anlässlich des Turmneubaus im Jahr 1867. Um Platz für den Durchgang vom Kirchturm zu schaffen, wurden die Pedalregister nach oben, gleichsam ins Obergeschoss verlegt und durch komplizierte Umlenkung der Mechanik bedient. Die Orgel blieb dann fast ein Jahrhundert lang unverändert. In den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts war eine gründliche Überholung unumgänglich. Den Auftrag erhielten die Gebrüder Oberlinger. Diese Restaurierung kostete damals ca. 30 000.-DM, die von der Gemeinde fast ganz durch Spenden aufgebracht wurden. Leider hat sich in den folgenden Jahren herausgestellt, dass sie Erneuerung keinesfalls  nach denkmalpflegerischen Grundätzen erfolgte. Zwar war der hohe Wert der Orgel erkannt worden, doch waren die Erfahrungen im Umgang mit historischen Orgeln nicht sehr groß. Nur so ist es zu erklären, dass Eingriffe unternommen wurden, die nach heutigen Begriffen besser unterblieben wären.

1985, im Jubiläumsjahr der Orgel  wurde eine erneute Restaurierung durchgeführt, diesmal von der Firma Steinmeyer aus Oettingen. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 155 000.-DM. Tatsächlich wurden aber 185 000.-DM ausgegeben, da zahlreiche Holzpfeifen durch Wurmbefall fast zerstört waren. Auch einige Metallpfeifen mussten neu gelötet und  verlängert werden, weil man sie 1960 grob fahrlässig abgeschnitten hatte, um ein anderes erwünschtes Klangbild zu erhalten.  Wichtigste Änderungen waren: das Gehäuse der Orgel wurde 10 cm gegen die Brüstung vorgeschoben. Dadurch erhielt man Platz, die Pedalregister wieder auf den Boden herunterzuholen. Die ursprüngliche Mechanik konnte wieder nachgebaut werden. Auch die originale Disposition wurde weder hergestellt, mit Ausnahme des Registers Posaune 16‘, dessen Änderung aus finanziellen Gründen zurückgestellt wurde. Möglichst weitgehende Wiederherstellung des Originals war der Grundsatz.

Bei der Haardter Stumm-Orgel handelt es sich um ein großes ein-manualiges  Instrument, das einige Besonderheiten aufweist. Ursprünglich hatte das Pedal nur 15, jetzt 27 Töne. Es hat auch nur 3 klingende Stimmen im Pedal, während im einzigen Manual 13 klingende Stimmen vorhanden sind. Einige Stimmen sind in Bass und Diskant geteilt, sodass insgesamt 22 Registerzüge und die Pedalkoppel vorhanden sind.

Das prächtige Gehäuse der Orgel bildet eine besondere Zierde des Kirchenraumes. Die originalen Prospektpfeifen sind glücklicherweise erhalten geblieben. Zusammen mit den Windladen und dem teilweise erhaltenen Pfeifenwerk sind etwa 70 – 75% der Orgel noch aus der Erbauungszeit vorhanden.

Im Jahr 2013 wurde das bei der Restaurierung von 1985 zurückgestellte Posaunenregister 16' rekonstruiert. In aufwendiger Handarbeit wurden 27 Pfeifen neu angefertigt, wobei die längste eine Länge von 4,80 m vorweisten kann. Legt man alle 27 Pfeifen in eine Reihe, so beträgt die Gesamtlänge 73 m!

Seit September 2013 erklingt unsere Orgel wieder wie original.