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Losung

Losung für Donnerstag, 03. Dezember 2020
Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.
5.Mose 16,17

Wenn der gute Wille da ist, so ist jeder willkommen nach dem, was er hat, nicht nach dem, was er nicht hat.
2.Korinther 8,12

© Evangelische Brüder-Unität

Liebe Mitmenschen!
Berührungen –seit März ist mir viel bewusster geworden, was mir Berührungen bedeuten. Weil sie seltener geworden sind, berühren sie mich umso mehr. Innerlich. Weihnachten ist ein Fest, das berührt. Immer noch - zumindest viele. Das wage ich zu behaupten und nicht nur weil ich im Moment sehr häufig angefragt werde, wie wir denn in diesem Jahr unseren Heiligabendgottesdienst unter Corona-Bedingungen feiern können.
Tatsächlich hat mich persönlich gerade dieser eine Gottesdienst in unserer Haardter Kirche immer besonders berührt. Es hat mich nie gestört, dass ich viele der Gäste nur dieses eine Mal im Jahr gesehen habe. Wenigstens dieses eine Mal habe ich sie angesehen und ihnen beim Ausgang nach dem „Oh du fröhliche“ die  Hand gegeben; auch wenn mir irgendwann das „Frohe Weihnachten“ im Hals stecken blieb, war mir das wichtig. Es wird mir in diesem Jahr fehlen. Dieser Gottesdienst war  immer sehr stimmig für mich, und das lag an dem Zusammenspiel von vielem und von vielen: Die Kirche war rappelvoll, der Kirchenchor sang immer mit besonderer Begeisterung, der Flötenkreis gab sein Allerbestes und Martin Schletz spielte die Orgel mit besonderer Inbrunst, vor allem das gewaltige Nachspiel zu „Oh du fröhliche“, das ihm jedes Jahr großen Applaus einbrachte. Dazu erstrahlte unsere schlichte reformierte Haardter Kirche mit dem vielen warmen Holz, deren einziger Schmuck sonst die alte „Stumm-Orgel“ ist, mit dem großen wunderbar geschmückten Christbaum in besonderem Glanz. Ich liebte diesen Heiligen Abend bei uns. Und während ich gerade davon schwärme, fällt mir mit einem Mal auf, dass ich ganz unbewusst in der Vergangenheit geschrieben habe. Und mir wird traurig bewusst: In diesem Jahr wird es anders sein. Anders sein müssen.
Weihnachten berührt immer noch viele, auch wenn sie das Jahr über gar nichts mit Kirche zu tun haben und andere christliche Feiertage kaum noch eine Bedeutung für sie haben. Warum?
Zum einen liegt es, denke ich, am Kind. Ein Neugeborenes berührt die meisten Menschen. Allein der Anblick lässt Menschen ruhiger werden und staunend einen Blick auf das neue Leben werfen. Da wächst etwas heran, es entwickelt sich. Und auch wenn wir noch nicht wissen was, spüren wir, dass da schon alles angelegt ist, was noch kommt. Vor einem Kind darf ich sein, wie ich bin, und muss mich auch nicht angestrengt größer machen als ich bin. Es weckt mein Bedürfnis zu schützen, lässt mich weicher werden, zärtlicher. Und nicht zuletzt: Vor einem Neugeborenen hat niemand Angst. Gott kann uns im Kind ganz besonders nahe kommen. Als Vorbereitung dazu werden die Menschen von Engeln aufgefordert sich nicht zu fürchten: „Fürchte dich nicht!“ so beginnen die Worte des Engels an Maria, „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren,..“, so wird es den Hirten verkündet. Wir Menschen, brauchen es anscheinend, dass uns jemand die Angst nimmt, bevor wir in der Lage sind, Neues aufzunehmen. Das scheint schon immer so gewesen zu sein, deshalb offenbart sich Gott von Anfang an als Kraft, die die Angst nimmt, schon lange vor Jesus. Nach Jesaja 41,13 verspricht Gott Menschen in schwerer Zeit:

„Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!"
Weihnachten, das ist für mich immer so etwas wie von Gott an die Hand genommen zu werden. Und das hat ja jetzt, da Hände geben verboten ist, eine ganz besondere Qualität.
Gott reicht uns jedes Jahr neu die Hand und will uns die Angst nehmen. Und das ist Grund genug einander die Hände zu reichen, zu vergeben und uns zu versöhnen. So etwas berührt auch ohne Berührung.
In diesem Sinne eine berührende Heilige Zeit!
Ihre Annette Leppla