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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Andacht zum Monatsspruch März:

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung. Psalm 62, 6 

Liebe Gemeinde,

auf einer Konfirmandenfreizeit vor einigen Jahren: Nachts um halb drei wache ich auf und höre im Nach-barzimmer munteres Geplauder. Obwohl doch seit 23.30 Uhr Nachtruhe ist. Ich frage an der Tür: „Meine Damen, was gibt es denn jetzt noch zu reden? Wisst Ihr denn nicht, wie spät es ist?“ – „Herr Hussong, wir können nicht schlafen!“ Meine Reaktion: „Da gibt es ein ganz einfaches Mittel: Licht aus, Mund zu, Augen zu!“ Eine Viertelstunde später schliefen alle.

 Ähnlich versuche ich es, wenn mir abends im Bett noch so alle möglichen Gedanken durch den Kopf gehen. Man kann ja stunden-lang liegen und grübeln. Ich sage auch mir selber: „Licht aus, Gedanken aus, Augen zu!“ Und weg bin ich – oder auch nicht…

Dass wir oft keine Ruhe finden, ist nicht nur ein Problem beim Einschlafen und auch nicht bloß eine Frage des äußeren Geräusch-pegels. In uns drin stellt sich einfach keine Ruhe ein, die Fragen gehen weiter, das innere Schwung-rad dreht sich; es kocht und gärt in einem, weil einem auf den Schlips getreten wurde oder weil einem gerade eine Laus über die Leber läuft.

 So mag es auch dem Beter des 62. Psalms gegangen sein. Wenn man den Psalm im Ganzen liest, erfährt man: Der Beter hat noch ganz andere Probleme, als dass er nicht einschlafen kann. Er steckt massiv in Schwierigkeiten. Da gibt es Leute, die sein Leben zerstören wollen, vielleicht seine Nachbarn, vielleicht sogar dieselben, mit denen er am Sabbat zusammen betet. Er ist ein leidgeprüfter Mensch. Aber er hat ein Rezept gefunden, wie er mit diesen Anfeindungen umgeht: Indem er stille wird zu Gott.

Ein weiser Rabbi wurde einmal gefragt, warum Gott die Gebete der Erzväter so oft erhört hat und unsere so selten. Antwort: „Sie haben sich beim Beten mehr Zeit genommen.“ Nicht so, dass sie Gott stundenlang in den Ohren gelegen hätten, sondern sie haben sich vor dem eigentlichen Gebet viel Zeit genommen, um zur Ruhe zu kommen. Denn „nur an einer stillen Stelle legt Gott seinen Anker an“, heißt es in einem Adventslied.

Ich meine, der Rabbi hat Recht. Das Wichtigste beim Beten ist nicht das Reden, sondern das Schweigen, das Zur-Ruhe-Kommen. Wir meinen oft, Beten ist gerade nicht Schweigen, sondern Reden: Ich habe ein Anliegen oder meist sogar viele, und die will ich vor Gott zur Sprache bringen. Ich bin dabei aktiv, innerlich in Bewegung, ich sinne nach, wie ich es Gott am besten sagen kann – und komme nicht zur Ruhe.

 Es ist einen Versuch wert: Wir tun einmal vor Gott einfach nichts, als zu schweigen und selbst zur Ruhe zu kommen. Wir versuchen, „stille zu sein zu Gott“, wie Martin Luther den Spruch übersetzt. Wir lassen alle Gedanken und Sorgen einfach los. Und sind einfach nur in seiner Nähe.

Ich denke so wie bei einem Liebespaar, das  Hände haltend spazieren geht oder eng umschlun-gen auf einer Parkbank sitzt. Die beiden reden nicht andauernd, sie gehen oder sitzen schweigend nebeneinander und sind froh, dass sie einander haben und zusammen sind. Sie spüren, wie die Nähe gut tut. Und dann, nach langem Schweigen, sagt einer etwas zum andern. Etwas Wichtiges, etwas Wahres. Vielleicht in nur einem Wort. 

 „Hände halten mit Gott“: Einfach still ein paar Minuten bei ihm sein und seine Nähe spüren. Und es wird uns leichter ums Herz. Sorgen und Ängste treten zurück. Wenn wir dann eine Weile so „Hand in Hand“ beieinander gewesen sind, dann kann es sein, dass wir doch das Bedürfnis haben, Gott etwas zu sagen. Dann tun wir es. Und warten in die Stille hinein, ob Gott uns antwortet. Gott plaudert nicht munter drauflos. Gott kann lange schweigen. In die Stille hinein kommt die Zeit, dann sagt er uns, was uns hilft, was uns Kraft gibt, was uns leben lässt. Wie es der Psalmbeter erlebt hat:

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.

Viel innere Ruhe in Gottes Stille wünscht

 Pfarrer Gernod Hussong