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Losung

Losung für Mittwoch, 24. Januar 2018
Hilf, HERR! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind wenige unter den Menschenkindern.
Psalm 12,2

Paulus schreibt:  Betet, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können.
Kolosser 4,3

© Evangelische Brüder-Unität

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern,
so sei nun lobgesungen dem hellen Morgenstern,
auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein,
der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

In diesen dunkler werdenden Tagen freuen sich viele darauf, dass es wieder heller wird und die Tage länger, kurz nach Weihnachten.
Wir zünden Kerzen an gegen die Dunkelheit. Doch für viele Menschen bleiben die Nachtgedanken und mit ihnen die Frage: Wo ist er, der liebende Gott, von dem wir in der Reformationszeit so viel gehört haben? „Gott liebt alle“, so haben wir immer wieder gehört. Aber wie erfahren wir das in unserem Leben?
Wo ist der liebende Gott für so viele?
Wo ist er für all die Menschen in den Kriegsgebieten und auf der Flucht, für die Mutter, die ihr Kind verloren hat, für den Mann, der zusehen muss, wie seine Partnerin an Krebs zerfressen wird?
Wo ist er für die Menschen, die gefangen sind in Depressionen?
Vielleieicht sagen Sie jetzt: Das ist doch kein Thema für diese Zeit. Da will ich es gemütlich haben und heimelig, das Leid der Welt lieber einmal für eine Weile ausblenden. Doch das Leid hält sich leider nicht an den Kalender, es gibt gerade in dieser Zeit viele Menschen, die darunter leiden, dass sich für sie genau dieses heimelige Gefühl nicht einstellen kann. Und die sich deshalb ausgeschlossen fühlen und besonders einsam.
Dieses Heft haben wir der Kirchenmusik gewidmet. Am 11.12. 1942, vor 75 Jahren, starb der Liederdichter Jochen Klepper. Er beging Selbstmord zusammen mit seiner Frau und Tochter. Wo war Gott für ihn, der dahin getrieben wurde von denen, die ihn schon seit Jahren wegen seiner jüdischen Frau ächteten und immer mehr in die Enge getrieben hatten, bis die Familie schließlich den Freitod wählte, um der Deportation der beiden Frauen zu entgehen?
Wo war er für diesen Mann, der dennoch solche wunderschönen Lieder dichtete wie dieses Adventslied.
Es gibt Situationen, da erleben wir Gott nicht als lieb. Zumal wenn die Menschen so grausam sind. Da ist das einzige, was noch bleibt, die Hoffnung, dass die Nacht dem Ende zugeht und ein anderer Tag anbricht. Und manchmal bleibt nicht einmal mehr diese Hoffnung. Jochen Klepper ging in den Tod. Doch trotz seiner schweren Lebensumstände hat er uns so wunderbare Lieder hinterlassen. Sie geben keine Antwort auf diese Fragen. Doch sie nehmen das Leid ernst. Und sie blicken darüber hinaus mit tröstlicher Hoffnung: Sollte es sein, dass es in all der Unbarmherzigkeit unserer Welt doch noch Hoffnung gibt?    

Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf.
ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf,
von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah,
es hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.

Ja, es gibt viel Unbarmherzigkeit und Grausamkeit unter den Menschen. Aber es gibt auch ganz viele andere Menschen. Immer wieder erlebe ich, wie hilfsbereit Menschen auch sein können. Wie sie aufeinander achten, die Not wahrnehmen und versuchen Abhilfe zu schaffen. In Hamburg (vielleicht auch in anderen Städten) gibt es viele Stellen, an denen Menschen Essen, das sie übrig haben, ablegen können, Bedürftige holen es sich dann. Das funktioniert tatsächlich. Da ist für mich ein kleiner Lichtblick in der Dunkelheit. Und es gibt immer wieder auch andere, wenn wir die Augen offen halten.
Sollte es sein doch den barmherzigen Menschen gibt? Und dass der vielleicht sogar irgendwann die Oberhand gewinnt?

Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und Schuld.
Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte hält uns kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte kam uns die Rettung her.

In der Hoffnung auf viele solche weihnachtlichen Lichtblicke grüßt Sie Ihre Pfarrerin Annette Leppla