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Losung

Losung für Sonntag, 22. Oktober 2017
Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein!
1.Chronik 22,16

Simon Petrus sprach:  Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
Lukas 5,5

© Evangelische Brüder-Unität

Monatsspruch März 2007: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Römer 8,18

Liebe Gemeinde!

Reden wir nicht drum herum: Die Welt, in der wir leben, ist alles andere als ein reines Paradies. Neben all dem Wunderschönen, das es hier zu erleben gibt, wird in dieser Welt eben auch gelitten und gestorben. Das hat nichts Heroi-sches. Das ist oft traurig und manchmal sogar nur grausam.   

Der Apostel Paulus kennt das. Nach allem, was wir wissen, war er Zeit seines Lebens schwächlich und von chronischen Schmerzen geplagt. Dazu  kam, dass man ihn mehrfach folterte und ins Gefäng-nis warf. Er wurde sogar gestei-nigt. Der Mann weiß, was er sagt, wenn er gegen En¬de seines Le-bens von den „Leiden dieser Zeit“ spricht. Doch er weiß auch von einer alles überstrahlenden Herr-lichkeit, die wie ein Licht am En-de des Tunnels steht.

Auch junge Menschen von heute machen sich Gedanken zum The-ma Leiden, wie dieser junge Mann, der schreibt: „Wo ist Gott, wenn es mir schlecht geht?
Die beste Freundin ist an Krebs erkrankt! In der Schule hacken alle auf mir rum! Ich gebe mir die größte Mühe, aber ich versage immer wieder! Menschen sterben, hungern, leiden! Ich frage mich, warum so etwas geschieht, und ich frage mich, wo Gott eigentlich ist, wenn es mir schlecht geht und ich leide! Weiß Gott eigentlich, wie es ist zu leiden?
Ich glaube schon. Vor knapp 2000 Jahren ist Gott in Jesus auf diese Welt gekommen und wurde aus-gelacht, ge¬schlagen und hingerich-tet wie ein Verbrecher. Gott selbst hat gelit¬ten wie ein Hund. Er weiß, was es heißt zu leiden.
Er versteht uns. In jeder Sekunde, in der es uns schlecht geht, lei¬det er mit uns denselben Schmerz im Herzen wie wir, dieselben Tränen in den Augen wie wir.
Auch wenn diese Welt manchmal nicht großartig ist, auch wenn es Schmerzen, Leid und Tränen gibt, und auch wenn ich nicht weiß, warum das so ist, so weiß ich doch, dass wir in alledem nicht allein sind. Gottes Großartigkeit ist es, dass er sich nicht zu schade ist, uns auch in unserem Leid und unseren Schmerzen nahe zu sein.“

Der junge Mann hat das gleiche Gottvertrauen wie jene alte Frau, die ihren Pfarrer auf dem Sterbe-bett mit einer ungewöhn¬lichen Bitte verblüffte: Wenn sie gestor-ben sei, so teilte sie ihm mit, dann wolle sie aufgebahrt werden. Man solle ihr in die eine Hand die Bi-bel legen, aus der sie ein Leben lang, auch in schwierigen Zeiten, Mut und Zuversicht empfangen hatte. In der anderen Hand wolle sie einen kleinen Löffel halten. Der Pfarrer stutzte: Einen kleinen Löffel?
Die Frau sah ihm seine Verwun-derung an und erklärte: Manch-mal, wenn im Pflegeheim nach dem Essen das Geschirr abge-räumt wurde, sagte eine der Pfle-gerinnen augenzwinkernd zu mir: „Den kleinen Des¬sertlöffel behal-ten Sie bitte, denn das Beste kommt noch!“ Da verstand der Pfarrer.
Die alte Dame starb und wurde nach ihrem Wunsch aufgebahrt. Alle, die am offenen Sarg standen, wunderten sich über den kleinen Löffel in der Hand der Toten. Sie aber war gestorben in der Gewiss-heit: Das Beste kommt noch!
Sie war gewiss, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fal-len gegenü¬ber der Herrlichkeit, die auch an uns offenbar werden wird.

Ihr Pfarrer G. Hussong