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Losung

Losung für Sonntag, 22. Oktober 2017
Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein!
1.Chronik 22,16

Simon Petrus sprach:  Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
Lukas 5,5

© Evangelische Brüder-Unität

Jesus Christus spricht. Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Johannes 16,22 (Monatsspruch März 2008)

Liebe Gemeinde!
 
„Der Weg ist das Ziel." Jedes Mal, wenn ich diesen Spruch höre oder lese, frage ich mich: Stimmt seine Aussage eigentlich? Ist der Weg schon das Ziel? Bin ich, indem ich mich auf den Weg mache, bereits am Ziel? Ich weiß, dass dieser Satz für viele von uns zu einer Art Le-bensphilosophie geworden ist: Bewegung ins Leben bringen, sich für eine Sache einsetzen, gemein-sam mit anderen etwas tun, dabei können wir viel Neues entdecken: Uns selbst, andere Menschen und deren Meinungen, andere Lebens-weisen. Das hat seinen Wert, unbe-streitbar. Aber ich frage trotzdem: Ist der Satz „Der Weg ist das Ziel" als Feststellung richtig? Müssen Christinnen und Christen ihm nicht widersprechen? Denn was ge-schieht, wenn einer von uns fragt: „Mein Versagen bei der letzten Mathearbeit, meine täglichen Kämpfe und Sorgen, die Trauer und Tränen um einen lieben Men-schen, das soll das Ziel sein? Ich habe mir diesen Weg nicht ausge-sucht und muss ihn doch gehen. Bleibt es für mich immer so, wie es im Augenblick ist?“
Mit dem Monatsspruch vor Augen und im Rücken sage ich: Nein, so wird es nicht bleiben. Wir haben ein Ziel, auf das wir zugehen. Und für dieses Ziel hat sich je-mand mit seinem eigenen Leben verbürgt. Er möchte, dass wir die-ses Ziel erreichen, und deshalb hilft er uns auch auf dem Weg da-hin. Also: Das Ziel bestimmt den Weg und nicht umgekehrt. Und wer das Ziel nicht kennt, weiß auch nichts vom Weg.
Dabei ist mir noch etwas anderes wichtig, das mich entlastet. Ich bin nicht für dieses Ziel verantwort-lich. Ich muss nicht entscheiden, ob es gut ist oder nicht. Denn das ist durch Gottes Handeln an Kar-freitag und Ostern entschieden. Ich gehe auf dieses Ziel zu und muss dies nicht allein tun. Denn es ist Jesus Christus, der sagt: „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen." Der für diese Zusage eintritt, begleitet mich auf meinem Weg. Und ande-re, die auch an diesem Versprechen festhalten, ge¬hen mit. Niemand von uns wird dadurch im Land der Glückseligen leben. Wir leben - vielleicht sogar gerade wegen die-ser Zusage - hier in der Welt, in der wir Schönes und Schreckliches erleben, in der wir vor unbeantwor¬teten Fragen stehen, in der wir Gemeinschaft, aber auch Einsam-keit erfah¬ren. Niemandem bleibt das erspart. Trotzdem wird die Freude das letzte Wort haben, weil Jesus es versprochen hat.
Dabei geht es um Trost, der von einer Person ausgeht, die sich schon einmal ganz und gar für die Menschen eingesetzt hat. Mit dem Ereignis von Golgatha schlägt er selbst die Brücke in die Zukunft. Und in diese Zukunft nimmt Jesus Christus uns mit, wenn er sagt: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch neh¬men." Weil dieses Ziel den Weg bestimmt, werden uns der Mut und der Atem nicht ausge-hen.
Von der Theorie zur Praxis: Da kann uns ein Text von Christa Spilling-Nöker Ideen geben:
Das Loslassen
von unerfüllbaren Träumen
und das Freigeben von Menschen,
an denen dein Herz hängt,
ist wohl mit das Schwerste, was es im Leben gibt.
Aber so, wie du nicht nur einatmen
und die Luft in dir behalten kannst,
sondern sie wieder ausatmen,
gleichsam freigeben musst,
um leben zu können,
so kannst du dich neuen Begeg-nungen
nur öffnen,
wenn du die Hoffnungen aufgeben kannst,
die sich verbraucht haben.
Denn alles hat seine Zeit:
einatmen und ausatmen,
halten und hergeben,
binden und lösen,
Abschied nehmen und neu begin-nen.
Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen und Euch

Pfarrer G. Hussong