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Losung

Losung für Sonntag, 22. Oktober 2017
Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein!
1.Chronik 22,16

Simon Petrus sprach:  Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
Lukas 5,5

© Evangelische Brüder-Unität

Liebe Leserinnen und Leser,
während ich über eine Andacht für den Gemeindebrief nach-denke, erschüttern fast täglich schreckliche Anschläge Mittel-europa: Nizza, Würzburg, München, Ansbach, Saint-Etienne-du-Rouvray. Und ich hoffe inständig, dass das nun endlich wieder ein Ende hat.
So manche stellen sich jetzt

Fragen: „Liegt es daran, dass wir zu offen sind? Haben wir zu viele hereingelassen? Jetzt haben wir ein Einfallstor für Islamisten. Hätten wir unsere Grenzen besser früher dichtgemacht?“ Und mit der Angst, die uns jetzt gepackt hat, wird natürlich auch Politik gemacht. Aber Grenzen zu errichten, macht immer auch unfrei, und Freiheit ist für mich eines der höchsten Güter der Demokratie. Wahrscheinlich ist nichts in der Welt so umkämpft wie die Freiheit. Andererseits hat Freiheit ja nicht nur etwas mit politischer Freiheit zu tun. Das, was uns am meisten unfrei macht, ist vielleicht die Angst. Sie treibt uns auch dazu, so manche äußeren Freiheiten aufzugeben. Deshalb kann Angst kein guter Ratgeber  sein, wenn wir jetzt nach Antworten und Lösungen suchen. Der Monatsspruch im Oktober aus 2. Kor 3,17 lautet:

Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Der Geist Gottes ist frei. Er zeigt sich in dem, was er bewirkt:
Er tröstet Verzweifelte, er begeistert Mutlose, er schafft Verständigung und Gemeinschaft, er bringt Menschen in Bewegung und überwindet Grenzen.

All dies trifft für mich auch immer wieder auf die Musik zu. Musik kennt keine Grenzen, sie ist immer international. Die Sprache der Musik ist auch über Sprachgrenzen hinweg verständlich, weil sie auf der Gefühlsebene zu uns spricht. Und im Chor oder Orchester musizieren die unterschiedlichsten Menschen harmonisch miteinander, die sich vielleicht im Alltag gar nicht verstehen, und tragen ihren Teil zu einem Gesamtkunstwerk herbei. Gerade die verschiedenen Instrumente und die verschiedenen Stimmen sind dabei der besondere Reichtum. Alle spielen ihre eigene wichtige Rolle. Maria Baranowa, eine jüdische, in der Ukraine geborene Musikerin, sagt dazu:
„Wir sollten unterschiedlich bleiben, so wie

Musiker, und gemeinsam etwas Großes machen.“
Unterschiedlich bleiben und einander in dieser Unterschiedlichkeit achten, das ist die Stärke der Demokratie. Wo Menschen so miteinander wirken und einander achten, weht Gottes tröstlicher Geist, der Grenzen überwindet und Freiheit schafft. Diesen Geist möchte ich mir nicht nehmen lassen durch die Todesstrukturen des IS oderanderer zerstörerischen Mächte. Und ich bin mir auch sicher, er hat mehr Bestand als diese. Gemeinsam den Geist der Freiheit wagen, über alle Grenzen hinweg, dazu möchte ich Ihnen Mut machen. Nur so kann Frieden sich ausbreiten.
In diesem Sinne eine gesegnete Zeit!     

Pfarrerin Annette Leppla