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Losung

Losung für Sonntag, 03. Juli 2022
Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.
Psalm 66,16

Paulus schreibt:  Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
Galater 2,20

© Evangelische Brüder-Unität

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie gut es tut, wenn jemand ein Ohr für mich hat, wenn ich Sorgen
habe!
Und wie gut tut es auch, wenn mich jemand ansieht! Nicht mit Augen, die urteilen und bewerten, sondern mit liebevollen Augen.
Ganz besonders in Zeiten der Not. Und jetzt in nicht endenden Zeiten der Pandemie erfahren wir es ganz besonders, wie wichtig es ist, einander zu sehen und zuzuhören.

Diese Worte möchte ich Gott jetzt zurufen, denn ich glaube, wir
Menschen sind gerade überfordert damit, all die Not, die auf der Erde herrscht, anzuschauen und all die Hilferufe zu hören, die uns von überall her erreichen. Sehnen wir uns doch selbst so sehr nach Hilfe.
Und doch gibt es viele, die jetzt noch mehr in Not sind als die meisten von uns. Menschen, die jetzt immer mehr abgehängt werden und in ihrer Verzweiflung nicht mehr wissen, wohin sie sich wenden sollen.
Neige, HERR, dein Ohr und höre!
Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!
LeaveNoOneBehind, können wir seit einiger Zeit auf einem Banner am Trafohäuschen vor dem Gemeindehaus lesen.
LeaveNoOneBehind - lass niemanden zurück!
Die Kampagne Seebrücke will mit diesem Banner auf die Not der
Flüchtlinge aufmerksam machen, die unter den menschenunwürdigsten Bedingungen in den Lagern leben und es jetzt während dieser Pandemie ganz besonders schwer haben, weil alle mit der Pandemie und mit ihren
eigenen Sorgen beschäftigt sind.
Lass niemanden zurück! Das ist für mich ein Appell, dass ich die nicht vergesse, die jetzt immer mehr
abgehängt werden, aber auch gleichzeitig ein Klageschrei und Hilferuf
an Gott, weil ich mich mit all der Not überfordert fühle.

LeaveNoOneBehind - Lass niemanden zurück!
Den Flüchtling nicht, der im Lager unter unwürdigen Zuständen haust,
und den Schüler nicht, der jetzt abgehängt wird in der Schule, weil er keinen Zugang zum Internet hat,
die Frau nicht, die in ihrer Wohnung
vereinsamt,
den Kranken nicht, den niemand
besuchen darf.
Lass niemanden zurück,
den Mann nicht, dessen Firma in Konkurs gegangen ist,
die Musikerin nicht, die seit über einem Jahr keine Einkünfte mehr hat,
die Krankenschwester nicht, die unter der Belastung zusammenbricht,
und die Flüchtlingsfrau nicht, die mit ihren Kindern ins Boot steigt, weil die Verzweiflung größer ist als die Angst vor dem Ertrinken.
Lass niemanden zurück,
die Jugendlichen nicht, die verzweifelt nach einer Perspektive suchen,
die Sterbenden nicht, die um Atem ringen und sich nach der Hand ihrer Liebsten sehnen,
die Eisbären nicht, die bald keinen Lebensraum mehr haben.
Und auch die Sorge um die Zukunft unserer Mutter Erde nicht.
LeaveNoOneBehind - Lass niemanden zurück!

Auf dass wir nicht alle miteinander verloren gehen!


Ihre Pfarrerin Annette Leppla