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Losung

Losung für Dienstag, 29. November 2022
Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.
Jesaja 40,30-31

So sei nun stark, mein Kind, durch die Gnade in Christus Jesus.
2.Timotheus 2,1

© Evangelische Brüder-Unität

juli 22

Liebe Leserinnen und Leser,
so richtig Durst haben. Kennen Sie dieses Gefühl?
Womöglich erleben Sie es bei einer Wanderung an einem heißen Tag oder bei der Aussicht aufs Weinfest. Und doch ist richtiger Durst zum Glück selten geworden, wenigstens in unserer westlichen Welt.
Meistens können wir ihn relativ schnell stillen. In anderen Erdteilen, in heißen und trockenen Landstrichen sieht das ganz anders aus.
Und doch kenne ich das Gefühl, Durst zu haben nur zu gut, auch hier. Ich kenne den Durst der Seele. Meine Seele dürstet sehr oft. Im Moment dürstet sie ganz besonders nach Frieden, manchmal auch nach Ruhephasen, Innehalten und neuer Lebenskraft und manchmal dürstet sie auch nach harmonischer Gemeinschaft mit den Menschen in meiner Umgebung. Es gibt viele Arten, Durst zu haben.
So betet der Psalmbeter von Psalm 42,3:  
„Meine Seele dürstet nach Gott, de, lebendigen Gott.“
In sehr schwieriger Zeit ruft er verzweifelt Gott um Hilfe an. Der Beter, der aus einem Land kommt, in dem es viel Wüste gibt und Trockenheit ein großes Problem für die Menschen ist, der auch den ganz existentiellen Durst kennt, drückt mit diesem Bild der dürstenden Seele aus, wie groß seine Seelennot ist. Mit dem Bild der ausgetrockneten Seele können sicher auch viele unter uns etwas anfangen. Heute nennen wir das eher Burnout oder Depression oder Existenzangst.
Doch würden wir heute sagen, dass unsere Seele nach Gott dürstet?
Es ist schwierig geworden für viele von uns mit dem Wort Gott. Ganz oft stellt sich die Frage: Wenn es Dich geben sollte, Gott, warum greifst Du nicht ein? Und wenn Du nicht eingreifst, Gott, wozu brauche ich Dich dann?
Viele hadern mit Gott und noch mehr mit Kirche.
Die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Vorväter und Vormütter sich noch mit enormem Engagement für den Kirchenbau auf der Haardt eingesetzt haben und mit der dann zur Feier des 100-jährigen Bestehens der Kirche ein großes Fest ausgerichtet wurde, bei dem dann das ganze Dorf auf den Beinen war, ist nicht mehr gegeben. Wie werden wir in 10 Jahren den 250. Geburtstag der Kirche feiern? Und wie viele werden dann überhaupt noch feiern?

Die Kirche hat an Bedeutung verloren. Doch was ist mit Gott?

Und was oder wer ist überhaupt Gott? Auch das ist heute in Frage gestellt.

Mir hilft bei dieser Frage die Bibel mit ihren wunderbaren Bildern:
Da ist zum Beispiel Gott eine „Quelle des Lebens“, da ist Gott ein „Zufluchtsort“, ein Licht, wenn ich Angst habe, jemand, die oder der mich tröstet, mir beisteht, oder eine Kraft, die mir hilft zu leben. Gott ist eine Kraft, die in die Freiheit führt und vieles mehr.
Und Gott ist Liebe.
Und in diesem Sinne dürstet meine Seele sehr oft nach Gott, gerade jetzt, wo so vieles ins Wanken gerät, was mir früher Sicherheit gegeben hat. Manchmal wird dieser Durst nach Gott auch gestillt: zum Beispiel, wenn ich jetzt im Frühling durch die Haardter
Wingertwege gehe und alles so wunderschön blüht und ich spüre, dass ich eins bin mit allem, was lebt. Und auch, wenn ich trotz allem, was gerade so unfriedlich ist, spüre, dass es immer noch Menschen gibt, die das Gute wollen und sich unermüdlich für ein friedvolles
Miteinander einsetzen und dafür, dass wir Menschen einander mit Respekt begegnen.
Ja, meine Seele dürstet nach Gott, der Kraft des Lebens und der Liebe.
Wonach dürstet Ihre Seele? Möge Ihr Lebensdurst gestillt werden! 


Das wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Annette Leppla