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Losung

Losung für Sonntag, 22. Oktober 2017
Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein!
1.Chronik 22,16

Simon Petrus sprach:  Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
Lukas 5,5

© Evangelische Brüder-Unität

Monatsspruch März 2012

Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.                                     Markus 10.45

Liebe Gemeinde,

aus dem Monatsspruch ragen drei Worte heraus: Dienen – Hingabe – Lösegeld. Das Wort „Lösegeld“ kennen wir aus dem Bereich der Kriminalität, wenn wir in den Medien von Entführungen und Lösegeldforderungen hören oder lesen. Aber „Dienen“ und „Hingabe“? In der Alltagssprache begegnen uns die beiden Begriffe selten, in dieser Zusammenstellung kaum.

Wenn ich an den kirchlichen Bereich denke, fallen mir die Diakonissen ein – ein christliches Lebensmodell, das im 19. Jahrhundert entstanden ist. Der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner erkannte die sozialen Probleme des Industrie-zeitalters und erneuerte – im Rückgriff auf die Bibel – das Diakonenamt dahingehend, dass er jungen, unverheirateten Frauen die Ausbildung als Krankenschwester und Kinderschulschwester er-möglichte. Das war damals, im Jahr 1836, in der Biedermeierzeit mit ihren starren bürgerlichen Codes,
revolutionär: Junge, beruflich qualifizierte Frauen taten ihren Dienst am Menschen mit zunehmendem Selbstbewusstsein; sie durften die Tracht der verheirateten Frau tragen. Die Diakonissentracht mag für uns heute altmodisch aussehen,  sie gestattete damals den Diakonissen, selbstständig in der Öffentlichkeit aufzutreten.
 
Wer von Ihnen auf die Festschrift „Protestantische Kirche Haardt 1782-1982“ zurückgreifen kann, findet dort im hinteren Teil die Geschichte des Krankenpflege-vereins Haardt. Dieser Ortsverein wurde 1905 eigens zu dem Zweck gegründet, „…durch eine mit einer Diakonissin besetzten Kranken-station eine zuverlässige und ständige Krankenpflege zu organisieren“ (§ 2 der Satzung). Im gleichen Jahr wurde die Schwesternstation eröffnet. Älteren Haardterinnen und Haardtern steht immer noch die Diakonissen-schwester Elisabeth Fehr vor Augen, wie sie bei Wind und Wetter, Tag und Nacht, rund ums Jahr die Familien bei der Krankenpflege unterstützt hat. 35 Jahre lang, von 1932 bis 1967. Woher hatten diese Diakonisse und die vielen anderen die Motivation für eine solche Hingabe? Geld war es nicht, die Diakonissen wollten nur das Nötigste zum Leben. Ihr Leben war Dienst, griechisch: διακονία,  deutsch: Diakonie, Dienst: Dienst im Namen  Jesu an kranken, der Hilfe bedürftigen Menschen. An dieser Aufgabe haben diese Frauen ihr ganzes Leben ausgerichtet. Der Dienst der Nächstenliebe war Sinn und Erfüllung ihres Lebens. Dienst und Hingabe in der Nachfolge Jesu. Diakonissen gibt es bis heute, jedoch nicht mehr so viele; aber diejenigen, die sich dazu entschließen oder zum Dienst als Diakonische Schwester (es gibt auch Diakonische Brüder), sind mit vollem Herzen dabei. Sie gehen in Jesu Spur.

Im Monatsspruch bezeichnet sich Jesus als der  „Menschensohn“, er kommt damit uns Menschen ganz nahe. Er teilt sein Leben mit uns. Er wendet sich uns ohne Vorbehalt zu. Das ist Liebe pur, ohne Kalkül. Mit seinem Leben und Sterben zeigt Jesus, wie sehr Gott uns liebt. Für das, was wir falsch gemacht haben, „bezahlt“ er die „offene Rechnung“ selbst. Jesu Leben ist das „Lösegeld“ dafür.  Er liebt  alle Menschen, indem er sie zur Liebe befreit.
Wir können das so universal nicht. Unsere menschliche Liebe trägt immer eine Differenz in sich: Wir lieben die eine bestimmte Person und die andere nicht. Wir lieben einen Menschen meist dann, wenn er sich uns als liebenswert anbietet. Wir lieben das „besondere Etwas“ an ihm oder ihr, das uns fasziniert. Unser Lieben zielt immer auf die Balance des Gebens und Nehmens. Wenn die Balance insgesamt stimmt, dann kann es gut gehen. 

Aber Dienen, ohne im Hinterkopf zu rechnen (was ich einbringe – was ich im Gegenzug erhalte)? Wir lassen uns lieber bedienen, als dass wir dienen. Ist es aber nicht auch ein gutes Gefühl, wenn man für jemanden etwas tut, einfach so, weil es nötig ist? Beispiele: Jemand hat eine unangenehme Aufgabe vor sich. Und wir sagen: „Ich mach das für Dich!“ Jemand hat einen schweren Weg vor sich. Und wir sagen: „Ich gehe mit Dir!“ Jemandem ist gerade alles zuviel. Und wir sagen: „Ich nehme Dir etwas ab von Deiner Last!“ Wenn wir so handeln, beginnen wir „diakonisch zu leben“. Dass das einem selber Freude bereitet, können viele bestätigen, die sich ehrenamtlich engagieren.
Keine Angst vorm Scheitern bitte! Das darf und das wird passieren. Nicht verzweifeln! Denn: „Ich mach das für dich!“ sagt Jesus zu mir, zu dir, zu uns allen.

Mit diakonischen Grüßen

Ihr Pfarrer Gernod Hussong