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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Andacht Juli 2013

Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir. Apg 18,9.10

 

Liebe Gemeinde,

 

alle Menschen, die in den Kirchengemeinden in Gottesdiensten und Andachten predigen und biblische Geschichten erzählen und dabei Glau-benserfahrungen weitergeben, müssen reden und stehen damit in einer mehr als 2000 Jahre alten Tradition.

Das Weitersagen des Glaubens bleibt zentrale Aufgabe von uns Christenmenschen. Aber es ist nicht immer einfach, vom Glauben zu reden.

Vom Propheten Jeremia wissen wir, dass er sich anfangs sträubt, den Auftrag anzunehmen, Gottes Wort weiterzusagen (Jeremia 1). Der Berufung zum Propheten will er sich am liebsten entziehen. Aber Gott bleibt an ihm dran. Er macht ihm deutlich: Es geht nicht darum, dass du dir großartige Reden ausdenkst, sondern „ich lege meine Worte in deinen Mund“. Du wirst für mich, du wirst in meinem Namen reden.

Macht es das einfacher? Ich denke, Ja und Nein. Ja, weil klar ist, was zu sagen ist. Den Inhalt der Reden gibt Gott vor. Nein, weil der Redner in der Regel für das, was er sagt, mit seiner Person geradestehen muss. Das gilt auch für Propheten. Darum kommt Jeremia manches Mal in Bedrängnis und muss Anfeindungen über sich ergehen lassen.

Auch Paulus, der Gründer etlicher Gemeinden vor allem in Kleinasien, kennt die Schwierigkeiten und An-feindungen durch andere, wenn er von seinen Erfahrungen mit Gott und von seinem Glauben erzählt. Eineinhalb Jahre lebt er in der Metropole Korinth, in dieser quirlig-bunten Stadt. Und es kommt die Zeit, da er Ermutigung zum Reden braucht: „Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.“ So hört Paulus Gott zu sich reden (Apostelgeschichte 18,9.10).

Ich gestehe: Hin und wieder brauche ich auch so eine Ermutigung. Gerade wenn es darum geht, etwas Unbequemes anzusprechen, wenn ich weiß, die von mir geäußerten Gedanken werden auf Widerspruch stoßen. Und ich wäge ab: Was kann ich eigentlich erreichen? Ist es die Sache wert, dass ich mich am Ende auf eine nicht enden wollende Diskussion einlasse? Oder muss die Angelegenheit um jeden Preis angesprochen werden? Andere sind da mutiger - oder flotter.

Zum Schweigen: Da gibt es so vieles, wozu wir einfach schweigen. Wir schweigen zu den menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen Menschen auch in unserem Land leben. Oder wir schweigen zu der Respektlosigkeit, mit der Menschen tagtäglich gleichgültig zusehen, wie andere neben ihnen ausgegrenzt werden. Wir machen sogar mit. Oder wir schweigen, wenn es darum geht, politische Entscheidungen zu treffen. Oder wir schweigen zu verantwortungslosem Umgang mit der Schöpfung.

Mir tut der Monatsspruch gut als Ermutigung, das Notwendige sagen zu lernen; zu reden, wo ich es für notwendig erachte. Aber: Die Mut machende Aufforderung zu reden ist kein Freibrief für überflüssige Worte!

Ein hilfreiches Kriterium für das zu Sagende ist, ob meine Worte etwas Gutes und Wertvolles bewirken können, oder ob sie andere verletzen, in Misskredit bringen oder ihnen schaden. Denn: Worte können Gewicht haben und etwas bewegen - zum Guten wie zum Nachteil für andere. Sind wir uns dessen immer bewusst?

Ich denke, an dem Punkt sind wir uns einig: Was wir sagen, soll Gutes bewirken. Dazu eine kleine Erzählung über den Philosophen Sokrates. In einigen Trauansprachen in den vergangenen 15 Jahren habe ich sie ganz bewusst eingebracht:

 

Aufgeregt kam jemand zu Sokrates gelaufen. „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund ...“ „Halt ein!“ unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, bereits durch die drei Siebe geschüttelt?“

„Drei Siebe?“ fragte der andere voll Verwunderung. „Ja, mein Freund, drei Siebe! Lass sehen, ob das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und ...“ „So, so. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, wenigstens gut?“ Zögernd sagt der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil...“

„Dann“, unterbrach ihn der Weise, „lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt.“ „Notwendig nun gerade nicht...“

„Also“, lächelte Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

 

Mir macht diese Geschichte Mut: Mut, das zu sagen, was gesagt werden muss, aber auch zu schweigen, wenn meine Worte nichts Gutes bewirkten. Es ist immer wieder einen neuen Versuch wert. Und dabei darauf zu vertrauen, dass Gott uns hilft, die richtigen Worte zur rechten Zeit am rechten Ort zu finden.

Mut-Worte wünscht Ihnen

Pfr. Gernod Hussong

 

Dezember 2013

Monatsspruch für Dezember in Joh. 1,4: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Als ich mich vor kurzem bei großem „Fußgängeraufkommen“ durch die Baustelle in der Fuß-gängerzone quetschte, schnappte ich den Satz auf: „Wie soll das denn werden im Vorweihnachts-stress?“ Vorweihnachtsstress  - dieses Wort beschäftigte mich.

Meinte er Vorweihnachts-Stress, also den Stress in der Vorweihnachtszeit; oder Vor-Weihnachtsstress, den Stress vor dem Stress an Weihnachten. Bei-des wäre ja möglich.

Wenn ich ihn gefragt hätte, dann hätte er vielleicht etwas verständnislos zurückgefragt: „Na, kennen Sie das denn gar nicht, den Stress mit dem Geschenke kaufen, das Backen und Putzen, die vielen Adventsfeiern, zu denen man muss? Und im Beruf ist auch meistens noch viel mehr los.“ Und hätte ich dann weiter gefragt, wozu das alles, hätte er mich viel-leicht noch verständnisloser an-geschaut und gesagt; „Man will doch schließlich an Weihnachten ein paar gemütliche Tage in der Familie haben.“ Ganz im Gegensatz zu diesem „Vorweihnachtsstress“ steht der Monatsspruch für Dezember in Joh. 1,4: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Leben, Licht und ich könnte die Liebe noch ergänzen, das sind die drei großen Ls, nach denen sich die meisten Menschen sehnen. Und genau die sind uns mit der Geburt Jesu an Weihnachten versprochen.

Aber Stress und Licht, Leben, Liebe, das widerspricht sich. Ich glaube nicht, dass wir uns mit Vorweihnachtsstress auf die großen Ls von Weihnachten vor-bereiten können. Denn die Erwartungen an die drei „stressfreien“ Tage in der Familie sind so hoch, dass oft genug Leben, Licht und Liebe hier auch nicht einziehen können. Und oft genug werden die drei freien Tage, auf die wir hinarbeiten, gar nicht so gemütlich. Statistiken belegen, dass sogar die Scheidungsrate in dieser Zeit am höchsten ist. So mancher atmet auf, wenn der Alltag wie-der beginnt.

Aber was wäre, wenn wir wirklich einmal damit rechneten, dass uns das Leben geschenkt ist, ein Licht für uns leuchtet, wir geliebt sind?

Was wäre, wenn wir es glauben könnten, dass uns die Geburt Jesu auch heute noch etwas zu geben hat, nämlich das Wunder, dass ein Licht leuchtet mitten in der tiefsten Dunkelheit, gerade dann, wenn es uns gar nicht gut geht.

Was wäre, wenn wir hoffen dürften, dass neues Leben uns geschenkt wird, da wo wir es am wenigsten vermuten.

Was wäre, wenn wir darauf vertrauen dürften, dass wir geliebt sind, so wie ein kleines Kind, ganz ohne es verdient oder erarbeitet zu haben.

Was wäre dann?

Vielleicht könnten wir dann wenigstens statt Vorweihnachts-stress ein klein bisschen Vorweihnachtsfreude erleben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wunderbares Weihnachtsfest mit den drei großen Ls: Leben, Licht, Liebe.

Und lassen Sie sich auch im neuen Jahr von ihnen begleiten!

Pfarrerin Annette Leppla