Startseite  » Andachten  » Dezember 21

Losung

Losung für Sonntag, 03. Juli 2022
Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.
Psalm 66,16

Paulus schreibt:  Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
Galater 2,20

© Evangelische Brüder-Unität

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird Winter.
Doch nicht nur deshalb erlebe ich es gerade als kalt um mich herum. Ich habe den Eindruck, die Welt ist sehr unbarmherzig geworden.
Wie gut, dass es trotzdem wieder Weihnachten wird: 
Gottes Liebe zu uns bleibt, auch durch alles Schwere hindurch. Und das kam so:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser

Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt

Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“          (Lukas 2,1-6)

 

Weihnachten
Sie machen sich auf: Der Mann und die Frau und das Kind in ihrem Leib.
Das Land ist besetzt von fremden Soldaten,
und das Gebot des Kaisers kennt keine Barmherzigkeit.
Der Weg ist weit.
Die Frau auf dem Esel schwankend zwischen Sorge:
Wie wird das werden, wenn das Kind kommt in der unbekannten Stadt?
Wo werden wir unterkommen?
Und Zuversicht: Es ist Gottes Kind. Es ist behütet.
Gott wird das alles schon schaukeln.
Und der Schritt des Esels schaukelt das Kind sanft in den Schlaf.
Geborgen ist es im Mutterleib, versorgt mit allem, was es braucht.
Gedämpft werden die Stöße und der Lärm der Welt.

Im Mutterschoß geht es barmherzig zu.
Das Kind weiß noch nichts um Sorge und Not,
weiß nichts von den Sorgen der Eltern:
Kein Platz in der Herberge. Wo werden wir uns ausruhen können?
Es kennt noch keine Termine und Zwänge.
Ein Kind kommt, wenn es kommen muss.
Unter Wehen wird es geboren im zugigen Stall.
Da liegt es auf Heu und auf Stroh,
gewärmt vom Atem der Tiere und dem Dampf ihrer Exkremente.
Maria und Josef betrachten es froh. Alles ging gut.

Das Neugeborene – es ist Licht mitten in der Nacht.
Der Stall erscheint in einem neuen Glanz.
Seine Schlichtheit, seine Enge,
auch all der Mist und der Gestank,
die schwierigen Umstände der Geburt,
alles erscheint in einem anderen Licht.
In einem barmherzigen Licht.

Auch all der Mist und die Unordnung um mich herum,
Fehlerhaftes und Unvollständiges,
Schmerz und Leid,
mein Versagen.
Alles erscheint in einem anderen, in einem barmherzigen Licht.
Die entlegensten Ecken, voller Schmutz und Unordnung,
Leid, das zum Himmel schreit.
Alles in einem anderen Licht: Gottes Licht.
Alles wird heilig. Denn Gott ist im Kind.
Gott geboren aus dem Schoß einer Frau.
Gott selbst Mutterschoß,
der mir Geborgenheit schenkt mitten im Leid,
Zuversicht in der Verzweiflung,
Barmherzigkeit in einer unbarmherzigen Welt.
Menschlichkeit.
Liebe.

               Eine gesegnete Weihnachtszeit
               wünscht Ihnen Pfarrerin Annette Leppla