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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

 

 

Spätes Halleluja

Es gibt Dinge, die sind so unglaublich schön,
dass wir sie einfach nicht glauben können.
Und wenn wir uns keinen Reim darauf machen können,
dann packt uns oft sogar die Angst.
So ging es auch Maria Magdalena und den anderen Frauen, als sie zu Jesu Grab kamen und die Nachricht von Jesu Auferstehung erhielten.
Geflohen sind sie, ohne Halleluja,
ergriffen von Zittern und Ent-setzen.
„Typisch“, sagen vielleicht manche, vor allem Männer:
„Frauen sind schreckhaft und ängstlich,
laufen fort, statt ihren Mann zu stehen.

Typisch und doch wieder untypisch:
Reden sie doch sonst den ganzen Tag.
Über unwichtige Dinge.
Und kaum widerfährt ihnen etwas wirklich Wichtiges,
sind sie sprachlos.“
Typisch, aber nicht typisch Frau, sondern typisch Mensch.
An die schlimmen Nachrichten  haben wir uns gewöhnt.

Abend für Abend die Tagesschau:
Erdbeben, Krieg, Verkehrsunfälle, Hunger und Flucht vor Armut.
All das ist schlimm, aber normal.
Wir haben uns daran gewöhnt.
Aber wenn jemand erzählen würde,
dass ein Mensch, gestorben am Kreuz vor drei Tagen,
nun lebt, herausgestiegen ist aus dem Grab,
dann würden wir den doch für verrückt erklären.

Nie Dagewesenes zu glauben,
ist eben unglaublich schwer.
Und manches ist vielleicht auch einfach
zu schön, um wahr zu sein.

Vielleicht ist es ja nur eine Täuschung,
wie schlimm wäre die Ent-täuschung.
Lieber zweimal hinschauen oder dreimal,
bevor wir Halleluja rufen.
Das mussten eben auch die Jüngerinnen.

Auf das bloße Wort des himmlischen Nachrichtensprechers reagierten sie erst mal mit Entsetzen. Verständlich:
Täuschung wäre zu enttäuschend,
zumal sie die große Enttäuschung gerade schon erlebt hatten,
als ihr König am Kreuz starb.
Noch eine Enttäuschung, das wäre eindeutig zu viel.
Vielleicht haben wir deshalb oft Angst,
das Gute wahrzunehmen oder gar zu genießen.

Es könnte sich ja allzu schnell  wie-der in Luft auflösen.
So wie Jesus sich dann quasi wieder in Luft aufgelöst hat,
als er zum Himmel fuhr.
Aber zum Glück haben ja Maria Magdalena
und die anderen Frauen doch noch Halleluja gerufen.
Sonst gäbe es heute kein Christentum.

Sie haben eben ein bisschen Zeit gebraucht,
bis sie das Unfassbare fassen konnten.
Doch dann haben sie endlich geredet.
Und nachdem sich Jesus noch ein paar Mal gezeigt hat,
für die, die noch etwas länger brauchen
oder nur glauben können, was sie mit eigenen Augen sehen,
konnte die Botschaft ihren Lauf in die Welt nehmen.
Und Jesus konnte sich wieder auf den Weg in den Himmel machen,
ohne die Jüngerinnen und Jünger zu enttäuschen.

Denn er hat ihnen etwas hinterlassen:
Den Blick auf das Leben.
Den Blick darauf, dass der Tod nicht das Ende ist.
Den Blick darauf, dass all das Schreckliche,
das wir erleben, nicht alles ist.

Und den Mut, das Unglaubliche zu glauben.

Pfarrerin Annette Leppla