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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! Galater 5,1 (Monatsspruch Juni 2006)

Liebe Gemeinde,
zum Monatsspruch, zum biblischen Motto für den Juni, ist mir eine (bekannte) Geschichte wieder in den Sinn gekommen:
‚Ein Mann ging in einen Wald um nach einem Vogel zu suchen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthähnen. Und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Lüfte.
Nach fünf Jahren erhielt der Mann den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: „Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler." „Ja", sagte der Mann, „das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel drei Meter breit sind."
„Nein", sagte der andere. „Er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte."
„Nein, nein", sagte der Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen."
Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: breite deine Schwingen aus und fliege!" Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter.
Der Mann sagte:„Ich habe dir gesagt, es ist ein Huhn!" „Nein", sagte der andere, „es ist ein Adler. Versu-che es morgen noch einmal."
Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, breite deine Schwingen aus und fliege!" Aber als der Adler wieder die schar-renden Hühner im Hof erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinun-ter und scharrte mit ihnen.
Da sagte der Mann wieder: „Ich habe dir gesagt, es ist ein Huhn."
„Nein", sagte der andere, „er ist ein Adler und hat das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen."
Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern, an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gera-de auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wun¬dervollen Morgens.
Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Breite deine Schwingen aus und fliege!" Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben - aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine ge-waltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.’
Wir Menschen wollen frei sein. Im bekannten Gesangbuchlied „Herr, dein Liebe ist wie Gras und Ufer“ singen wir in Strophe 2: „Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden…Freiheit, die auch noch offen ist für Träume.“ Der Männerchor vom Männergesangverein Haardt singt gerne: „Flieg’, junger Adler, hinaus in die Freiheit…“ In dem bekannten Lied „Sailing“ von Gavin Sutherland ist ein Mensch weit von Zuhause entfernt  und träumt davon, wie ein Vogel, alle Hindernisse ü-berwindend, wieder zurückzukehren.
„Zur Freiheit hat uns Christus be-freit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen.“ So schreibt der Apostel Paulus an die Gemein-den in Galatien. Dabei gibt es so viele Zwänge im Leben, Dinge, Er-eignisse, Personen, denen wir uns machtlos ausgeliefert fühlen. Und wie oft können wir nicht aus unserer Haut heraus. Paulus weist uns an den Ursprung der Freiheit zurück: Zu Jesus. Jesus hat durch sein Vorbild, durch seinen Tod für uns und durch seine Auferstehung den Weg zu einer neuen Freiheit eröffnet, zur Freiheit des Lebens. In dieser Freiheit hat all das, was uns zwingt und am Boden hält, keine endgültige Macht mehr über uns. Wir dürfen unseren eigenen Weg suchen und finden, wie der Adler, der an jenem Morgen in die Sonne schaute, aufstieg und endlich seine Bestimmung fand.
„Gott hat dir keine Fesseln angelegt, er hat dir Flügel verliehen, den Adler legt er dir ans Herz, nicht das Huhn. Mach dich nicht flügellahm, fliege dem Horizont der Freiheit der Kin-der Gottes entgegen!“ (Pfr. Armin Beuscher, Köln) Einen guten „Flug“ wünscht Ihnen und Euch
Ihr Pfarrer G. Hussong