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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Lk 12,34

 Ein Schatz ist etwas ganz Besonderes. Wer einen Schatz gefunden hat, der ist zu beneiden. Haben Sie schon mal einen Schatz gefunden? Eine Schatzsuche, das klingt nach Abenteuerromantik. Der spannende Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ von Robert L. Stevenson ist ja die Geschichte einer Schatzsuche schlechthin, und die Kinder lesen ihn auch heute noch gern. Da kann man richtig mit dem Schiffsjungen Jim Hawkins auf der Suche nach dem verborgenen Schatz mitfiebern.
Ein Schatz, da denken wir in erster Linie an eine vergrabene Kiste mit Gold und Edelsteinen. Aber es gibt auch andere Schätze. Was kann alles ein Schatz sein? Auf jeden Fall ist ein Schatz etwas unendlich Wertvolles und Kostbares. Verliebte reden sich manchmal mit „mein Schatz“ an. In der Wirtschaft reden wir von Bodenschätzen, die je knapper, desto teurer sind.
Für einen kostbaren Schatz tun wir alles. Wenn er gehoben ist, wird er gehütet und gepflegt. Da sind wir ganz bei der Sache. Fasziniert. Gefangen genommen. Manchmal besessen. Jesus weiß das. Er weiß, wie wir Menschen „ticken“, und hält uns einen Spiegel vor mit seinen Worten:  Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Was sind nun unsere Schätze? Woran hängen wir unser Herz, jede und jeder von uns? Was auch immer es ist: Jesus will uns den Blick dafür schärfen, worauf es wirklich ankommt. Die irdischen Schätze kommen bei Jesus nicht allzu gut weg. Irdische Schätze sind unsicher und vergänglich. Das haben wir auch schon erlebt. Den Schatz „Gesundheit“ können wir ebenfalls verlieren. Liebe Menschen genauso. Die Vergänglichkeit unserer Schätze macht sie uns wertvoll: Wir haben sie nur auf Zeit, befristet; wir dürfen uns an ihnen erfreuen. Ins Grab nehmen wir sie aber nicht mit. 
Die Schätze an sich sind nicht das Problem, sondern unsere Einstellung zu ihnen. Hängen wir unser Herz so an die materiellen Güter, an Geld, an Sicherheit und anderes mehr, dass wir uns davon ganz in Anspruch nehmen lassen und nichts anderes mehr sehen? Dass wir uns durch die Verengung auf uns selbst die Fülle des Lebens nehmen? Das ist die Frage. Wenn ich nur noch darauf aus bin, Schätze zu sammeln und sie zu horten, dann hängt an ihnen mein ganzes Herz. Dann bestimmen und besetzen sie mein Leben total, und das ist nicht gut. Aber Schätze können sehr wohl segensreich sein, wenn ich ihren Wert einsetze. Wenn ich sozusagen mit den Pfunden wuchere. Es gibt ein Sprichwort, das lautet: ‚Geld ist wie Mist. Erst wenn es verteilt wird, bringt es Segen.’ Da steckt wirtschaftliches Wissen dahinter. Geld muss in Umlauf gebracht werden. Hohe Sparquoten entziehen dem Wirtschaftskreislauf wertvolle Mittel. Wer Geld hortet, hat einen sehr fragwürdigen Schatz. Eine Kiste mit Gold und Edelsteinen ist an sich wertlos, wenn sie nur in der Erde vergraben ist oder auf dem Boden herumsteht. Gold kann man weder essen noch anziehen noch verheizen. Es muss also eingetauscht werden. Erst dann entfaltet es seinen Wert. Wenn Talente ungenutzt schlummern, hat niemand etwas davon. Schätze horten bringt also nichts.
Natürlich muss ich nicht alles mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen. Eine kluge Vorratshaltung ist durchaus sinnvoll. Das wird auch in der Bibel nicht bestritten. Im Gegenteil: Die Geschichte von Josef, der in Ägypten Kornspeicher bauen lässt, um den Ertrag der sieben guten Erntejahre für die sieben mageren Jahre aufzubewahren, ist ja ein gutes Beispiel dafür, dass intelligentes Wirtschaften in der Bibel gewürdigt wird. Und Jesus verweist in mehreren Gleichnissen durchaus respektvoll auf kluge und umsichtige Haushalter.
Wie gehen wir also mit unseren Schätzen um? Wir brauchen einen klaren Blick für ihre wirkliche Bedeutung. Haben wir einen klaren Blick, oder ist uns der Blick verstellt, dass wir das Wesentliche nicht richtig erkennen können? Ich denke, darauf will uns Jesus hinweisen. Der klare Blick kann beeinträchtigt werden, wenn wir uns durch die Dinge blenden lassen. Wer geblendet ist, erkennt überhaupt nichts mehr um sich herum. Und gerade unsere heutigen Schätze glitzern und strahlen so verführerisch, dass wir uns durch sie blenden lassen. Aber die Erfahrung lehrt uns bekanntlich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Wir leben ja in einer Zeit, wo es sehr auf den äußeren Glanz und den Schein ankommt, und wie oft spüren wir, dass wenig Substantielles dahinter steckt. Zum Beispiel die Werbung: Sie preist uns mit unzähligen auf Hochglanz polierten Prospekten Schätze an, die wir doch unbedingt haben müssten – bei näherem Hinsehen jedoch können wir auf das meiste gut und gerne verzichten.
Aber zugegeben: Es ist nicht leicht, einen klaren Blick zu behalten und zu erkennen, was nun wirklich wichtig ist, und was nicht.

Wie können wir einen klaren Blick für das Wesentliche wieder-/gewinnen? Dankbarkeit ist ein guter Weg hin zu einem klaren Blick: Wenn wir unsere Schätze, die Gott uns gibt, dankbar als seine Gaben annehmen, dann bleiben wir nicht bei den Schätzen hängen, sondern sehen Gott als den Geber hinter ihnen. Dann können wir uns an unseren Schätzen freuen und sie genießen, ohne unser Herz an sie zu verlieren, dann ist es völlig in Ordnung, dass wir sie nur auf Zeit haben dürfen. Gott der Geber will, dass wir weitergeben und weiterschenken. Das Teilen der Schätze mit anderen bewahrt ebenfalls den klaren Blick. Teilen fördert  Leben. Dann ist Leben wie ein Fest, wie ein Festmahl: „Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt!“ heißt es in einem neueren Kirchenlied.

Ja, alle Menschen dieser Erde könnten satt werden! Die wahren Schätze heißen 

LIEBE, MITGEFÜHL, SOLIDARITÄT.  
Lassen Sie uns also auf „Schatzsuche“ und „Schatzverschenken“ gehen und den Blick dafür schärfen, wie reich wir beschenkt sind und wie viel Gutes wir damit tun können. Dann können wir wirklich

ErnteDANKfest feiern.

 

Einen klaren Blick für die wahren Schätze

 

wünscht Ihnen und Euch  

Pfr. Gernod Hussong