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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Jesaja 40,31 (Monatsspruch Dezember2007)

Liebe Gemeinde!
 „Ich harre der Dinge, die da kommen sollen“, sagt jemand, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Kran-kenhaus… „Harren?“, fragt sich ei-ner, als er dieses betagte Wort hört, und schaut erst einmal im Computer nach: „harren: warten, hoffen, ins Auge fassen, lauern, entgegensehen, ...“ Aha: Es gibt solches und solches Harren oder Warten oder ins Auge fassen. Die Stimmung und die ganze Haltung sind abhängig davon, wel-cher Art von Begegnung oder Ereig-nis man entgegensieht. Auf eine Be-erdigung zu warten ist etwas Anderes als auf den eigenen Abschlussball in der Tanzschule.
Advent ist lateinisch und heißt An-kunft. In der Adventszeit lesen wir in den Gottesdiensten auch Texte aus den Prophetenbüchern. Da lesen wir: Es lohnt sich, darauf zu warten, dass etwas Neues ankommt. Was wir vor Augen sehen, das ist nicht alles. Das kann nicht alles gewesen sein. So auch unser Monatsspruch aus Jesaja: Da kommt noch etwas Anderes. Seht dem entgegen, dann wachsen eure Kräfte!
Die Menschen, an die Jesajas Worte ursprünglich gerichtet sind, waren in die Fremde verschleppt worden. Sie waren unfrei und  hei¬matlos, und das seit Jahren schon. Sie sagten: Das ist nicht gerecht, dass ausge¬rechnet uns dieses Schicksal trifft. Gott hat uns vergessen! Da tritt Jesaja auf und sagt: „Gott hat euch nicht vergessen.  Ihr habt Gott vergessen. Ihr nehmt nicht wahr, was Ihr Gott alles ver-dankt: Feuer, Wasser, Erde, Luft - die ganze Schöpfung, euer Leben, dass Ihr atmen könnt und lieben. Ihr habt anscheinend Gott vergessen. Wer nichts mehr von ihm erwartet, dem fehlt eine sinnvolle Lebensperspekti-ve!“
Harren auf den Herrn meint: Hoffen darauf, dass mit dem, was wir um uns herum an Leid, Ungerechtigkeit und Unfrieden wahrnehmen, nicht das letzte Wort gesprochen ist: Nicht beim eigenem Leiden, nicht bei der Verteilung der Lebenschancen in unserem Land und auch nicht bei der Ungerechtigkeit in der weiten Welt, nicht bei den unzähligen Kriegen, nicht bei der Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern hier und überall. Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Ich hoffe darauf. Ich warte darauf. Beharrlich. Ich harre auf Gott. Harren verleiht Flügel.
Harren verleiht  Flügel!
So geschehen in einer Kirchenge-meinde: Ein  rüstiger Pensionär hat Gemeindeglieder um sich gesammelt als Paten für junge Leute bei ihrer Bewerbung für den Berufseinstieg. Er zitiert gern seinen Lieblingsspruch aus der Bibel: „Sie sollen das Leben und volle Genüge haben“, sagt er und wirkt dabei sehr entschlossen.
Harren verleiht Flügel!
Lena fährt im Rollstuhl. Sie ist froh, dass sie selbst viel Verständnis findet – da, wo sie wohnt, auch in der Schu-le, im Verein, bei ihren Freundinnen. Einmal in der Woche liest Lena einer alten Dame in der Nachbarschaft vor. Was Lena im Konfirmandenunter-richt erfahren hat – einer braucht den an¬dern – ist ihr zur festen Überzeu-gung geworden.
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!
Jens beginnt nach dem Aufwachen jeden Tag mit einem Gebet. Auf die Frage, was ihm das bedeutet, antwor-tet er erst zögernd, dann bestimmt: „Zu etwas schweigen, ändert nichts. Etwas vor Gott zur Sprache bringen heißt: Ich finde mich nicht ab mit allem Vorfindlichen, sondern ich öffne mich einer anderen Dimension. Das wirkt. Können Sie mir glauben!“

Warten, Schauen, Lieben und – Bewahrtwerden:
Du lässt uns warten,
Du, der Gott aller Zeiten,
willst, dass wir warten auf die rechte Zeit,
in der wir entdecken sollen,
wer wir sind, wohin wir zu gehen haben,
wer mit uns gehen wird
und was wir tun müssen.
Dank sei Dir für die Zeit des War-tens.
Du lässt uns Ausschau halten,
Du, der Gott aller Räume,
willst, dass wir schauen
in die rechten und schlechten Plätze
nach Zeichen der Hoffnung,
nach Menschen, die hoffnungslos sind.
Dank sei Dir für die Zeit des Schau-ens.
Du lässt uns lieben,
Du, der Gott, dessen Name Liebe ist,
willst, dass wir sind wie Du:
zu lieben die Lieblosen, Hässlichen und die Ungeliebten;
zu lieben ohne Misstrauen, Absichten und Drohungen;
und am schwierigsten von allem:
uns selbst zu lieben.
Dank sei Dir für die Zeit des Lie-bens.
In alldem
bewahrst Du uns
durch harte Fragen mit keinen leich-ten Antworten;
durch Fehlschläge, wo wir hofften, Erfolg zu haben;
durch Anstöße, wo wir meinten, un-nütz zu sein;
durch die Geduld und die Träume und die Liebe anderer und
durch Jesus Christus und seinen Geist
bewahrst Du uns.
Dank sei Dir für die Zeit der Bewah-rung
jetzt und an jedem neuen Tag.
Amen.
Eine gute Warte-Zeit im Advent
wünscht Ihr Pfarrer G. Hussong