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Losung

Losung für Sonntag, 15. Juli 2018
HERR, du dämpfest der Tyrannen Siegesgesang.
Jesaja 25,5

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
1.Johannes 3,8

© Evangelische Brüder-Unität

Liebe Gemeinde,
eine gute Nachbarschaft zuhaben, ist etwas sehr Wesentliches: da ist jemand, bei dem ich im Notfall klingeln kann, eine Person, die mir mal etwas leiht, die Bohrmaschine, 3 Eier oder auch mal zuhört, jemand, der ein Paket für mich annimmt oder einfach zur Stelle ist, wenn ich Hilfe brauche. Schlimm ist es, wenn ich mit der Nachbarschaft im Streit bin, denn den Nachbarn kann ich nicht aus dem Weg gehen. Es sei denn, ich ziehe weg. Streit in der Nachbarschaft ist äußerst zermürbend.
„Nach-Bar“, das war früher der Bauer, der meinem Hof am nächsten wohnte. Manchmalwaren die Höfe auch sehr weit auseinander. Heute ist die Welt näher zusammengerückt. Wer sind nun meine Nachbarn? Sind es vielleicht auch Menschen, die im Nachbarort, im Nachbarland wohnen oder gar von weit her zu uns kommen, um in unserer Nachbarschaft zu leben?
Oder ist es ganz anders: Sind Nachbarn für mich nur die, denen ich mich nahe fühle? Schlimm ist es, wenn sie zu weit weg sind, wenn ich sie brauche. Wer ist dann mein Nachbar?
Oder aber anders herum: Für wen bin ich Nachbar oder Nachbarin? Für wen bin ich in der Nähe? Für wen habe ich ein offenes Ohr oder helfende Hände?
Wenn ich weiter darüber nachdenke, gibt es niemanden, der nicht Nachbar oder Nachbarin wäre. Du wirst geboren, männlich oder weiblich, und schon bist du Nachbar oder Nachbarin. Es gibt immer schon jemanden in der Nähe, ein Nachbarkind im Nachbarbettchen oder im Nachbarhaus. Es gibt niemanden, der keinen Nachbarn hat, und niemanden, der nicht Nachbar ist.
Und dann fällt mir noch etwas anderes auf: Wenn ich mich Nachbarin nenne, dann bestimme ich mich vom Nächsten her. Es geht nie um mich allein, immer ist da noch jemand anderes neben mir. Allein bin ich nicht Nachbar, nur als Teil einer Gemeinschaft. Das ist menschliche Grundbestimmung. Und Aufgabe. Es lenkt meinen Blick weg von mir auf den oder die in meiner Nähe. Mensch bin ich dann, wenn ein anderer Mensch du zu mir sagt. Mensch bin ich, weil ich Nachbar/in bin.
Und so sind wir wieder bei der guten Nachbarschaft angelangt. „Wer einen guten Nachbarn hat, braucht keinen Zaun.“ Heißt es im Volksmund. Und: „Wer gute Nachbarn hat, kann ruhig schlafen.“
Wohl dem, der gute Nachbarn hat. Muss es dann nicht auch heißen: „Wohl dem, dem ich ein guter Nachbar, eine gute Nachbarin bin.“?
Oder mit unserem Monatsspruch:
Wohl denen, die einander zuEngeln werden. In diesem Sinne lassen Sie uns einander zu Engeln werden. Oder zu Nachbarn?

Wie auch immer: Einen schönen Sommer in guter Nachbarschaft wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Annette Leppla