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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Monatsspruch Dezember 2010:

Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (Matthäus 3,2)

Liebe Gemeinde,

„Kehrt um!“ ruft Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa den Menschen zu. Um umkehren zu können, muss man erst einmal anhalten. Anhalten und sich besinnen und sich fragen: Wo stehe ich gerade, was mach ich die ganze Zeit, wozu, wo führt es hin? Es ist oft gar nicht so einfach, anzuhalten, wenn man in Bewegung ist, im täglichen Trab oder im gewohnten Trott. Viele von uns sind „Dauerläufer“ des Alltags geworden und manche sogar „Marathonläufer“. Erschöpft bis zur Atemlosigkeit.

Ich wünsche uns den Mut zum Anhalten. Dafür brauchen wir Pausen im Alltag, Pausen von der Arbeit in der Woche und von den Events am Wochenende. Still muss es werden – vielleicht ist ein Kirchenraum dazu besonders geeignet. Leider können wir die Haardter Kirche werktags nicht offenhalten. Es bräuchte einen Hütedienst dafür. Aber es wäre wichtig: Kirche im Alltag zu öffnen, dass wir anhalten, zur Ruhe kommen, unseren Atem spüren, auf unsere innere Stimme hören können. Dass wir herausfinden, was uns gut tut, was uns wirklich wichtig ist. Manch eine/r sitzt dann einfach ruhig da, andere Kirchenbesucher beten, zumeist leise. Sie beten darum, dass ihnen Antworten zufließen auf ihre ganz persönlichen Fragen: Warum, wozu, wie geht es weiter, was will ich ändern, was muss ich ändern, was steht jetzt an? Welche Menschen sind mir wichtig, wie will ich ihnen begegnen, was will ich für sie tun? Alles Fragen, die Antworten wollen. In die Stille hören, das ist ein Weg hin zu den Antworten. Das braucht Zeit und Geduld, da kann man nichts „machen“. Nur hören und warten.

Ich habe es selber vor kurzem erlebt. Nach Wochen und Monaten der Fragen: Wie geht es weiter? Was ist der richtige Weg? weiß ich nun: Ich kenne den neuen Weg immer noch nicht genau, aber ich ahne die Richtung: Nicht einfach so weiter rennen, nein, anhalten, stehen bleiben, warten, hören, den Ruf hören und umkehren, sich hinwenden zu dem neuen Weg.

Johannes der Täufer, der Prophet und Vorläufer Jesu, motiviert mich zur Umkehr mit den Worten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Jesus sagt das später mit denselben Worten: Der Himmel kommt, er kommt zu Euch auf die Erde. An Weihnachten: Da kommt in Jesus selbst der ganze Himmel als kleines Kind zu uns auf die Erde, im Stall von Bethlehem: So unscheinbar und doch so umwerfend neu und anders. Kaum zu fassen: Die Zukunft kommt in Jesus auf uns zu, sie kommt uns nahe – und wir dürfen auf die Zukunft, das Reich Gottes, zu leben. Mit unserem Leben, unseren Plänen, unserer Sehnsucht nach Glück und Geborgenheit.

Wichtig ist, dass wir aufbrechen, wenn wir soweit sind, aufbrechen zu wollen. Dann kommt die Vorfreude auf das Neue und die Neugier und irgendwann der Abschiedsschmerz vom bisher Vertrauten und von liebgewordenen Menschen. Vertrautes hinter sich zu lassen, kostet Mut und Kraft.

Ich bewundere Menschen, die Aufbrüche ins Ungewisse wagen, mit allen Ängsten und Zweifeln, allen Hoffnungen und aller Euphorie. Es wird meist nicht immer gleich „himmlisch“. Oft geht es zwei Schritte vor – und einen zurück. Umkehren und neu ansetzen, einen anderen Weg suchen, anders und neu auf einander zugehen: Das ist immer wieder von uns gefragt.

Aber wie ein Leitstern stehen über unseren Wegen die Worte: Das Himmelreich ist nahe! Diese Zusage gilt uns allen. Wenn wir das Alltägliche einmal hinter uns lassen, wenn wir den Lärm und das geschäftige Treiben dieser Tage vor dem und im Advent eintauschen gegen einen Moment der Stille; wenn wir es den Menschen gleichtun, die zu Johannes dem Täufer in die Stille der Wüste aufgebrochen sind und hinabgestiegen an das Ufer des Jordans, dann ist die Stimme zu hören, die auch uns einen neuen Anfang verheißt. Sie spricht von dem, der sich aufmacht zu uns in diesen Tagen. Das Himmelreich ist nahe, denn Gott kommt zur Welt. Er wird ein Mensch wie wir, mit Hoffnungen und Träumen, Enttäuschungen und Schmerz. Gott macht sich auf, um bei uns zu wohnen. Er lässt uns neu auf unser Leben schauen, und er will uns begleiten, in den kleinen und in den großen Aufbrüchen unseres Lebens. Weil er uns versprochen hat: Das Himmelreich ist nahe!

 

Gute und segensreiche Aufbrüche wünscht Ihnen

 

Pfarrer Gernod Hussong