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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Dezember 2015

Du stellst meine Füße auf  weit en Raum.

Psalm 31,9b

Nur was leer ist, kann gefüllt werden.
Vielleicht kommt Ihnen dieser Satz sehr banal vor. In der Landwirtschaft ist es ganz klar und in jedem Jahr das Gleiche: Weinfässer, Kornspeicher…sie alle müssen vor der Ernte geleert werden, damit sie neu gefüllt werden können. Logisch.
Doch so banal ist der Satz dann doch nicht. Denn bezogen auf uns selbst denken wir oft genug, wir könnten in uns mehr und mehr anfüllen, ohne vorher leer zu sein: mehr und mehr Termine in Arbeit und Freizeit, mehr Wissen und Information, mehr Besitz….
Volle Terminkalender, volle Schränke, volle Freibäder, volle Räume, sie alle haben etwas gemeinsam: Sie lassen uns keinen Raum. Sie engen uns ein.
Einen Raum zu betreten, in dem wenig darin ist, empfinde ich als wohltuend. Hier kann ich durchatmen, hier kann ich meinen Raum einnehmen, mich entfalten.
Hier werde ich daran erinnert: Es ist der weite Raum, den Gott uns zugesagt hat, nicht der enge.
Nur im weiten Raum kann sich etwas entfalten.
Sicher ist das auch ein Grund, warum in den reformierten Gemeinden die Kirchen so karg eingerichtet waren: ohne Bilder, ohne Kerzen, ohne Blumen, sogar ohne Kreuz. Allein die Heilige Schrift lag auf dem Altar. Das Wort Gottes sollte sich frei ausbreiten können, die Menschen sollten durch nichts von ihm abgelenkt werden. Und damit es auch wirklich im Mittelpunkt stand, befand sich der Altar mit der Bibel so wie bei uns in Haardt auch mehr oder weniger im Mittelpunkt der Kirche und nicht so, wie es die meisten gewohnt sind, „vorne“ in einem Chorraum.
Für Sie als Haardter ist das ganz normal, aber wenn ein Tourist in unsere Kirche kommt, ist er oft irritiert: „Wo ist vorne und

hinten?“,  fragt er sich vielleicht und ist auch etwas verwundert darüber, dass die Bänke so angeordnet sind, dass wir geradeaus nicht zum Altar schauen, sondern wir sehen ins Angesicht eines anderen Menschen. Ob die Reformierten sich vielleicht auch dabei etwas gedacht haben? Denn im Angesicht unseres Mitmenschen zeigt sich ja auch das Angesicht Christi.
Wie dem auch sei: Gerade weil unsere Kirche nicht gefüllt ist mit Überflüssigem, bietet sie uns Raum, sie mit Leben zu füllen, mit Menschen, mit Musik, mit Farben…. So wie bei einigen Festen, die wir darin in diesem Jahr schon gefeiert haben. Sie lässt uns Raum, weil sie nicht festgelegt ist durch viele Einrichtungsgegenstände.
Luther hat gesagt: „Die Kirche soll immer reformiert werden.“ Damals war es das geschriebene Wort Gottes, das sich durch-setzen musste gegenüber all den Bildern und Reliquien, die angebetet wurden. Heute brauchen wir wieder mehr Bilder, weil das gesprochene Wort Gottes in der Fülle von Wörtern, die heute auf uns einprasseln, seinen Weg oft nicht mehr so gut zu den Herzen der Menschen finden kann. Und deshalb brauchen wir auch nicht nur Bilder, die unser Inneres berühren, sondern Zeiten der Ruhe und Stille, Zeiten, in denen wir leer werden können.
Denn wie gesagt: Nur was leer ist, kann gefüllt werden. Und Fülle ist es ja oft, nach der wir uns sehnen. Sonst würden wir vielleicht unsere Terminkalender nicht auch noch in der Freizeit so sehr füllen.

Pfarrerin Annette Leppla