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Losung

Losung für Samstag, 16. Dezember 2017
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43

© Evangelische Brüder-Unität

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils. Jesaja 12,3 (Monatsspruch Dezember 2006)

Liebe Gemeinde!
Es ist schon länger als vier Jahre her – und ich hatte es beinahe vergessen, obwohl es damals durch die kirchli-che Presse ging. Als ich den Monat-spruch für Dezember 2006 las, fiel es mir wieder ein:
 In der überregionalen Tageszeitung taz aus Berlin wurde am 17. Au¬gust 2002 - in der Zeit des verheerenden Elbe-Hochwassers - ein Bibelzitat als Überschrift über einen Bericht (Rub-rik „Gurke des Tages") gewählt: „Voller Freude werdet ihr Wasser schöpfen an Gottes reichen Quellen, aus denen euch seine Hilfe strömt. Jesaja 12, 3".
Es hagelte Leserbriefe. In einem heißt es: „Bislang habe ich meistens die Treffsicherheit eurer unkonventi-onellen Überschrif¬ten bewundert. Nicht so bei den Schlagzeilen zur Flutkatastrophe auf der ersten Seite - müssen sich da die Opfer nicht eher verhöhnt vorkommen? Die Gurke des Tages habt ihr euch mit der Gurke des Tages vom Sonnabend geleistet: Der zitierte Bibelspruch ist zu Men-schen gesagt, die durch die Wüste ziehen - das pfei¬fen die Spatzen von jedem Dach. Ihn auf die aktuelle Flutkatastrophe zu beziehen, ist blanker Hohn. Fundamentalisten, die historische Hintergründe ignorieren, seid Ihr doch nicht, oder?"
Mit Effekthascherei verschaffte sich die Tageszeitung taz einen Lacher. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen." Aber (wissend oder unwissend?) liegt die taz an einer Stelle richtig. Es ist tat-sächlich eine Katastrophe der bibli-schen Zusage der Freude vorausge-gangen. Keine Naturkatastro¬phe allerdings, sondern eine politisch verursachte Katastrophe. Das Volk Israel hat damals seine Selbststän-digkeit verloren, es wird deportiert und landet für Jahrzehnte etwa 1000 Kilometer von der Heimat entfernt in der Gefangenschaft. Das ist der Hin-tergrund, vor dem der Lobvers, der Monats¬spruch, steht. „Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils!“ (Ökumenische Einheitsübersetzung).
Angesichts solch einer Katastrophe besteht eigentlich kein Anlass für ein Loblied! Wenn man in einer dunklen Lebensphase steckt, dann ist einem nicht zum Singen zu Mute. Dann hadert man eher. Entweder macht man andere (vielleicht auch sich selber) ver¬antwortlich: Hätten die doch, ..., hätte ich doch...! Oder man macht Gott Vorwürfe: Warum, Gott, warum hast du das zugelassen?
Eine Zusage, ein Versprechen, dass man gerettet wird und dass es reich¬lich Anlass zur Freude geben wird, kann man da nur schwer und ungläu-big hören. Zu tief steckt man in der Krise drin, als dass man solch einer Zusage glauben kann.
Aber jemandem, der so etwas selbst erlebt hat, dem nimmt man die Zusa-ge schon eher ab. Dann geraten Ret-tungsgeschichten und Erfahrungen der Bewahrung zu Zusagen. Advent und Weihnachten erinnern uns an die Zusage, dass Gott diese Welt nicht sich selbst überlässt. Er kommt – un-scheinbar und klein – in unsere Zeit. So kann er für uns zur Quelle der Freude werden.
Daran erinnert auch ein schwedi-scher Festtag in der Adventszeit. Jedes Jahr am 13. Dezember ruft er das Leben der Märtyrerin Luzia ins Gedächtnis, die die Quelle der Freu-de in sich trug und sie an Menschen in Not weitergab.
Der Sage nach lebte Lucia von 286 bis 304 in Syracus auf Sizilien. Luzia war Christin. Damals hatte sich das Christentum schon rund um das Mit¬telmeer ausgebreitet. Aber die Chris-ten wurden verfolgt. Luzia versorgte verfolgte Glaubensgenossen, die sich in Katakomben, verzweigten unter¬irdischen Grabgängen und Anlagen, versteckt hielten, mit Lebensmitteln. Um in der Dunkelheit den Weg zu finden und ihre Hände frei zu haben für die Speisen, setzte sie sich einen Lichterkranz auf ihr Haupt und ging mit brennenden Kerzen auf dem Kopf durch die dunklen Gänge.

Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist. (Ra-bindranath Tagore)

Eine besinn-sing-liche Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer G. Hussong